Anaw

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Das hebräische Wort anawbedeutet im Alten Testament zunächst demütig.  
In der hebräischen Bibel kommt das Eigenschaftswort „anaw“ 13 mal vor (Bauder in Coenen S. 174):
„Aber Mose war ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden“ (4. Mose-Num. 12, 3).
Außer mit „demütig“ wird es auch mit „sanftmütig“ übersetzt. Aus unserer Geisteshaltung ergibt sich die Art unseres Auftretens nach außen. Das dazugehörige Hauptwort lautet „anawa“.
Oft wird eine solche Haltung geringschätzig abgetan als unterwürfig, feige, schwächlich oder nachgiebig.
„Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen“ (Matt. 5,  5 Luthertext).
Wer mit Selbstgerechtigkeit, Aggression, Bitterkeit, Zorn und Unbescheidenheit zu kämpfen hat, lehnt die Sanftmut innerlich ab. Er strebt statt dessen nach Selbstverwirklichung – dem Gegenteil von „anaw“. Sein Stolz verleitet ihn zur Hartherzigkeit gegen andere. Wir sollten statt dessen die wertvollen Eigenschaften unserer Mitmenschen erkennen. Es kommt uns zugute, wenn es uns gelingt, sie zu segnen, ihnen Glück und Gelingen zu wünschen, wenn wir mit ihnen trauern und uns über ihre Erfolge freuen.
Solidarität mit unseren Mitmenschen bedeutet, dass wir uns bemühen, gedanklich in ihre Rolle zu schlüpfen. Ein derartiges Einfühlen bereitet uns den Weg, Barmherzigkeit zu praktizieren.
Wer seine eigenen Defizite - den Balken im eigenen Auge - erkennt und bei seinem Denken und Handeln berücksichtigt, wird offener für eine milde und sanfte Einstellung. Derartiges lernt man indes oft erst durch erlittene  Trübsal. „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil.“ (Schiller F.: Ring des Polykrates) Wenn wir selbst demütigende Lebensphasen erlebt und dadurch an Reife gewonnen haben, werden wir eher mit anderen verständnisvoll und barmherzig umgehen. Paulus rechnet die Sanftmut zur „ Frucht des Heiligen Geistes“ (Gal. 5, 22). „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr“ (Kol. 3, 12 ff. Elb.). Somit kann man echte Christen an ihrer Sanftmut erkennen.
Im Zusammenhang mit dem Finden der Ruhe für die Seele gibt Jesus im Heilandsruf den Rat:  "Lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig" (Matt. 11, 29). Im Umkehrschluss bedeutet dies: Solange wir hartherzige Rechthaberei und Gewaltanwendung, wie sie uns die Mächtigen dieser Welt vorleben und die Medien ständig plastisch vorführen, nicht mit der Wurzel aus unserem Innersten ausreißen, wird uns nicht gelingen, inneren Frieden zu finden.
Insofern stellt sich die Frage, wie intensiv man sich mit den eskalierenden terroristischen Aktivitäten in unserer Welt in der Freizeit auseinandersetzen sollte. Wer sich beruflich damit beschäftigen muss, braucht die Selbstfindung und die Überwindung innerer Zerrissenheit, um seine Aufgabe zu bewältigen. Nur so wird er seine Seele vor Schaden bewahren.   
Diejenigen, die eine Einheitserfahrung erlebt haben, beschreiben diese mitunter mit den Worten: „Alles wurde sanft und zart“.
Jesus rät uns auch: "Lernt von mir!" Und worum geht es dabei? Vor allem sanftmütig und demütig zu denken, reden und handeln (anaw) sollen wir von ihm lernen. Mit welchem Ergebnis?  „Ruhe finden“ wird uns in Aussicht gestellt. (Matt. 11, 28 ff.)


 
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